Kastration – Ja oder Nein?!

Egal, ob Ihr vierbeinige Freund ein Rüde oder eine Hündin ist, kommt sicher irgendwann einmal die Frage nach einer Kastration auf …

… spätestens, wenn Ihr Rüde mal wieder alleine „loszieht“, weil in der Nachbarschaft eine läufige Hündin wohnt … oder,

… wenn Ihre Hündin scheinträchtig ist und deshalb die Kuscheltiere der Kinder „mit ihrem eigenen Leben verteidigt“ …

Diese und ähnliche Beispiele / „Unarten“ lassen uns grundsätzlich zu deutlichen Befürwortern einer Kastration werden. Doch können Sie wirklich sicher sein, dass sich dadurch etwas am Verhalten Ihres Hundes ändern wird?

Wir möchten zunächst anhand einiger Fakten aufzeigen, dass es immer auch gesundheitliche Gründe gibt, die in eine Überlegung „Kastration meines Vierbeiners – ja oder nein ?“ einbezogen werden sollten:

Was spricht bei einer Hündin für eine Kastration ?

Besonders bei Hündinnen sprechen viele Aspekte für eine Kastration. Jede 4. Hündin bekommt im Alter eine Gebärmutterentzündung (Pyometra). Diese kann tödlich verlaufen, wenn sie nicht operativ (durch Kastration) behandelt wird.

Zur Erläuterung:

Während der Läufigkeit der Hündin ist ihr Muttermund für längere Zeit geöffnet, wodurch auf einfachstem Wege Krankheitserreger in die Gebärmutter eindringen und sich dort einnisten können. Diese Krankheitserreger verursachen eine eitrige Entzündung, die vom Körper der Hündin leider zunächst als Trächtigkeit wahr genommen und deshalb vom Halter oft erst (zu) spät bemerkt wird.

Gönnen Sie Ihrem Hund nach dem Eingriff Ruhe

Die eben beschriebene, sogenannte „Scheinträchtigkeit“, stellt u.a. auch deshalb ein Problem dar, weil die Hündin sich oftmals total im Verhalten ändert. Sie kann ausgesprochen unruhig und nervös, und so kaum wieder zu erkennen sein. In dieser Phase der Erkrankung sehen die Hündinnen oft Kuscheltiere als ihre Welpen an und können dann durchaus auch übergriffig gegenüber Ihren Kindern oder anderen Mitmenschen werden.

Ein weiterer positiver Aspekt einer Kastration bei Hündinnen kann die Vorbeugung gegen gefährliche Gebärmutter- und Gesäugetumore, sowie gegen Zysten und Tumore an den Eierstöcken sein.

Zur Erläuterung:

Das Risiko für Tumore am Gesäuge wird durch eine Kastration vor der ersten Läufigkeit auf 0,5 % gesenkt, eine Kastration nach der ersten Läufigkeit senkt dieses Risiko auf 8%. 

In 50 % der Fälle sind Gesäugetumore bösartig und können dann, bei nicht rechtzeitiger Erkennung, tödlich enden.

Ein dritter guter Grund, eine Hündin zu kastrieren, ist die Vorbeugung gegen einen Diabetes mellitus, an welchem ältere Hündinnen häufig erkranken.

Doch auch die hygienischen Gesichtspunkte sind nicht zu vernachlässigen, denn, natürlich blutet eine Hündin während ihrer Läufigkeit. Für diesen Zeitraum empfehlen wir Hygienehöschen mit Einlagen.

Was spricht bei einem Rüden für eine Kastration ?

Bei IHM kann es im Laufe seines Hundelebens zu Problemen an der Prostata oder an den Hoden kommen. Diese Probleme können beispielsweise zu Prostata- oder Hodenkrebs führen. Eine Kastration des Rüden würde diesen Erkrankungen vorbeugen können.

Es gibt Rüden, die als Kryptorchiden bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass deren Hoden nicht in den Hodensack „gewandert“ sind, sondern sich noch im Bauchraum befinden. Durch diese anatomische Besonderheit besteht bei diesen Tieren (ohne eine Kastration) ein erhöhtes Risiko einer Tumorentwicklung im Bauchraum. 

Bei sehr dominanten Rüden erhofft man sich durch eine Kastration eine Wesensänderung.

Dies ist meist der Fall, wenn sich Rüden bei Konflikten und in Beißereien mit männlichen Artgenossen sehr stark dominant verhalten.

Operationsnaht nach der Kastration

Es ist allerdings nicht garantiert, dass sich die Kastration positiv auf das Wesen des Rüden auswirkt.

Bei Aggressivität im Zusammenhang mit Nahrung, Angst oder schlechten Erfahrungen hat die Kastration keinerlei Auswirkung.

Beim Tierarzt gibt es die Möglichkeit, die Auswirkung einer Kastration erst einmal zu „testen“. Der Tierarzt setzt dem Rüden zu diesem Zweck einen Mikro-Chip ein, den sogenannten Suprelorin-Chip.

Durch diesen Chip wird bei dem Rüden, ähnlich wie nach einer Kastration, die Produktion des Testosterons gemindert. Die Wirkung hängt hier von der Dosierung des Chips ab und kann 6, aber auch 12 Monate andauern.

Was spricht nun aber gegen eine Kastration Ihres vierbeinigen Lieblings – egal, ob Rüde oder Hündin ? Was ist zu bedenken ?

Der Energiebedarf eines kastrierten Hundes sinkt um ca. 30 %. Wird nach der Kastration das selbe Futter (in gleicher Zusammensetzung und Menge) weiter gefüttert, kommt es unweigerlich zu einer Gewichtszunahme, denn durch die fehlenden Geschlechtshormone fehlt der natürliche Appetit-Zügler des Hundes.

Auf Grund der Gewichtszunahme kann es zu Erkrankungen des Bewegungsapparates und zu Herzproblemen kommen.

Hauptsächlich bei Hündinnen, hier oft die Rasse Boxer, kann es zu einer Harninkontinenz kommen. Ursachse hierfür ist eine Störung des Verschlussmechanismus der Harnröhre.

Kastrierte Rüden sind hiervon seltener betroffen.

Abschließend sollte man beim Abwägen einer Kastration immer auch folgenden wichtigen Aspekt bedenken:

Eine Kastration, gleichermaßen bei einer Hündin und einem Rüden, ist immer eine Operation, welche nur in Vollnarkose möglich ist.

Diese Operation birgt unter Umständen, trotz aller Vorsicht des Tierarztes, schwerwiegende Risiken für Ihren vierbeinigen Liebling, beispielsweise Narkoseschwierigkeiten und hoher Blutverlust. Zudem kann es aber auch nach der Operation zu Blutungen oder anderen Wundheilungsstörungen kommen.

Aus den genannten Gründen sollte man dieses Thema nicht auf die „leichte Schulter“ nehmen.

Auch wenn eine Kastration die Risiken vieler schlimmer Krankheiten mindern kann, sollte immer auch sehr verantwortungsbewusst abgewogen werden, ob eine Kastration bei Ihrem Hund / Ihrer Hündin unbedingt notwendig ist.

Egal, wie Sie sich für Ihren Liebling entscheiden, wir wünschen Ihrem Vierbeiner ein langes und gesundes Hundeleben – ob kastriert oder nicht kastriert.

Tipp: Sie wollen mit Ihrem Hund verreisen? Worauf Sie bei Ihrem Urlaub mit Hund achten sollten!

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